Vom isolierten kleinen Bergbauerndorf zum bekannten Wintersportort in kurzer Zeit

Die über 1.500 Meter hoch gelegene Gemeinde mitten in den Dolomiten im Südtiroler Gadertal in Norditalien ist schon seit gut einem Jahrhundert ein international bekanntes und beliebtes Reiseziel für Wintersportler aus der ganzen Welt.

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Corvara ist dabei durch seine für den Skisport perfekte natürliche Lage zwischen den drei Gebirgszügen der Puezgruppe, Sellagruppe und Fanesgruppe geradezu idealtypisch prädestiniert. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das kleine Bergdorf im späten 13. Jahrhundert. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts lebte die lokale Bevölkerung nahezu ausschließlich von Ackerbau, Handwerk und Viehzucht. Mit dem Aufkommen des Alpinismus etwa zur gleichen Zeit sorgte jedoch auch der regional bedeutsamer werdende Fremdenverkehr für immer mehr Einnahmen.

Die Einweihung der Gadertalstraße (SS 244 di Val Badia) im Oktober 1892 sorgte schließlich für eine deutliche verbesserte Verkehrsanbindung der gesamten Region. Die Wintergäste absolvierten die damals jedoch noch immer eher beschwerliche Anreise in die alpine Bergwelt dann in größerer Zahl gegen Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Infrastruktur mit den ersten spartanischen Unterkünften und gastronomischen Angeboten wurde ausgebaut. Die Errichtung der nach einem ortsansässigen Tourismuspionier, Busunternehmer und Gastwirt benannten Franz-Kostner-Hütte ab 1913 wurde jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieg 1914 unterbrochen. In der Zwischenkriegszeit erholte sich der Tourismus in der Gegend langsam wieder.

Die Rundtour über die vier Dolomitenpässe ist das sportliche Aushängeschild

Auch der Zweite Weltkrieg verzögerte die Entwicklung Corvaras zum Wintersportort noch einmal vorübergehend. Die Inbetriebnahme des ersten Sessellifts zum 2.835 hohen Aussichtsgipfel Col Alto/Lagazuoi im Jahr 1947 sorgte dann jedoch rasch für ein immer größeres Publikumsaufkommen. Besonders angezogen wurden und werden sportliche Aktivurlauber in Corvara von der berühmten, 26 Kilometer langen Skirundtour Sellaronda über die Pässe Sellajoch (Passo Sella), Pordoijoch (Passo Pordoi), Campolongopass (Passo Campolongo) und Grödner Joch (Passo Gardena) rund um das Sellamassiv.

Inzwischen ist Corvara ein Wintersportort der Extraklasse. Der Gast findet hier jegliche Sportmöglichkeit und auch den inzwischen im Tourismus üblichen Luxus. Neben Pensionen und Ferienwohnungen finden sie auch viele Hotels in Corvara, von der Luxusherberge bis zum Familienhotel, die Wintersportbegeisterte jedes Jahr in diese Perle der Südtiroler Winterlanschaft ziehen.

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Neben Corvara können auch die benachbarten Orte Arabba, Campitello, Canazei und Wolkenstein als Startpunkte für die Tagestour gewählt werden. Skifahrer, welche die Runde alleine oder in der Gruppe gemeinsam bewältigen möchten, benötigen hierfür den den Großraumskipass des Regionalverbunds „Dolomiti Superski“. Nach Möglichkeit sollte man auch schon am frühen Morgen oder Vormittag aufbrechen, denn die Tour dauert ca. sechs Stunden und die Pisten sind ab 17.00 Uhr am Nachmittag gesperrt.

Die Sellaronda kann nach Lust und Laune auch individuell erweitert werden, so etwa mit den Abfahrten in das angrenzende Skigebiet Marmolada, in das Edelweißtal in Kolfuschg oder der Porta Vescovo-Abfahrt in Arabba. Die schon seit den 1970er Jahren durchgehende Kette von Pisten und Skiliften ist alljährlich im Frühjahr auch Schauplatz des populären nächtlichen Rennwettbewerbs Sellaronda Skimarathon über eine Strecke von 42 Kilometern.

Von Corvara sind zahlreiche interessante Abfahrten und Pisten schnell zu erreichen

Außer dem „Superstar“ Sellaronda gibt es rund um Corvara aber noch zahlreiche weitere landschaftlich reizvolle Strecken für Skifahrer, Snowboarder und Rodler. Nur einen Katzensprung entfernt ist etwa das Skigebiet Alta Badia in 1.300 bis 2.778 Meter Höhe mit 53 Skiliften und 130 Kilometern präparierten Skipisten (70 Kilometer leicht 52 Kilometer mittelschwer und 8 Kilometer schwer).

Vor allem die beiden schweren schwarzen Pisten Vallon-Boè in Corvara und Gran Risa in La Villa sowie die Abfahrt vom Lagazuoi verlangen von den Skifahrern jedoch einiges Können und größere Ausdauer. Ebenfalls ein Ziel für eher erfahrene Skisportler ist die 2.585 Meter hoch gelegene Pisciadù-Hütte in der nördlichen Sellagruppe am Brunecker Turm, die man mit Skiern über das Val Culea oder Val Setus erreichen kann.

Am 2.665 Meter hohen Berg Sass Songher wiederum ist vor allem die Abfahrt über die Steilrinne an der Ostseite (Val Scuera) eine bekannte Strecke. Die Tour kann auch über die Ütia Col Pradat und Ütia Edelweiß verlängert werden. Einen tollen Blick auf die bis zu 2.592 Meter hohen Cirspitzen (Gruppo del Cir) hat man bei der Abfahrt vom Col Toronn durch das Chedultal. Am 2.121 Meter hohen Grödner Joch schließlich dienen die Wanderwege nach Corvara und Wolkenstein über den Plan de Frea und durch das Dantercepies-Tal samt der umliegenden Hänge im Winter ebenfalls als weitläufige Skigebiete.

Im Gadertal gibt es Skistrecken aller Schwierigkeitsgrade für Anfänger und Profis

Als besondere Herausforderung von Bergwanderern und Skifahrern in der Nähe von Corvara angesehen wird speziell auch das steile und stellenweise schluchtartige Mittagstal (Val Mezdì) unterhalb des Piz Boè. Ausgangspunkt von Touren durch das Tal ist die 2.873 hohe Boèhütte, die man die nach einer ca. einstündigen Wanderung vom Sass Pordoi aus erreicht.

Die unbewachte und unbeschilderte Skiabfahrt ist nur erfahrenen Skifahrern in Begleitung eines Bergführers bei sehr guten Schneeverhältnissen zu empfehlen. Auch rund um die Gemeinde Enneberg (Marebbe) im unteren Gadertal (Val Badia) ist ein im Winter stets gut besuchter Ferienort. Die längsten und bekanntesten Pisten mit einer Gesamtlänge von 90 Kilometern findet man unweit der Fraktion St. Vigil am 2.275 Meter hohen Kronplatz. Langläufer schätzen das nahe Rautal an, für das Schneeschuhwandern ist der angrenzende, fast 25.000 Hektar große Naturpark Fanes-Sennes-Prags mit 300 Kilometern Wanderwegen bestens geeignet.

Rund um St. Martin in Thurn (San Martino in Badia) lockt hingegen das kleine, aber Skigebiet Antermoia speziell Anfänger und Familien mit Kindern an. In der kleinen Gemeinde kann auch das interessante Museum Ladin zur Geschichte und Kultur Ladiniens besucht werden. Im umliegenden, knapp 11.000 Hektar großen Naturpark Puez-Geisler liegen rund um die Gipfel des Monte Stevia (2.555 Meter), Sass Rigais (3.025 Meter), der Furchetta (3.025 Meter), des Peitlerkofel (2.875 Meter) und rund um den Tullen (2.652 Meter) viele weitere spektakuläre Abfahrten.

Skirennen für Jung und Alt und eine der schwierigsten Strecken in den Dolomiten

Einen sehr guten Namen genießt auch der mit sechs Kilometern längste Riesentorlauf der Welt „Gardenissima“ von der Seceda (2.519 Meter) bis zur Umlaufbahn Col Raiser in der Nähe von Wolkenstein auf 1.485 Meter. Das traditionsreiche Skirennen in Gröden wird schon seit mehr als zwei Jahrzehnten alljährlich Anfang April ausgetragen.

Jeweils am nächsten Tag findet die 1,9 Kilometer lange „Südtirol Gardenissima Kids“ für Kinder ab 8 Jahren statt. Für Freunde des Langlaufs wiederum ist das Würzjoch (2.003 Meter) zu empfehlen, dessen Gipfel über eine schöne Skilanglaufloipe zu erreichen ist. Als guter Ausgangspunkt für Ausflüge in die beiden Skigebiete Alta Badia und Kronplatz gilt auch die Gemeinde Wengen (La Valle) im mittleren Gadertal.

Nicht weit entfernt liegt die Gemeinde Abtei (Badia), die vor allem wegen ihrer berühmten, 1.255 Meter langen und sehr anspruchsvollen Skiweltcuppiste „Gran Risa“ vom Piz La Ila (1.871 Meter) bis in die Ortschaft Stern (La Villa) auf 1.423 Meter Höhe viele Besucher anzieht.

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